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Leseprobe aus dem Buch:
Paul Evdokimov: "Die Frau und das Heil der Welt"

Cover: Die Frau und das Heil der Welt

Zweiter Teil: Die biblische Eva und die Frau in der Geschichte

Vorbemerkungen

1. In ihrem Vorwort zur Geschichte der Menschheit stellt die Bibel von vornherein das Geheimnis des Menschen als das eines unlösbaren Gegenüber-Gestelltseins dar. Im Lichte dieses Prologs enthüllt sich unsere anomale Lage und fordert Erklärung. Erinnern wir uns als Wegweiser des philosophischen Grundsatzes, der für alle organischen Gebilde gültig ist. Im Anfang geht das Ganze in seiner noch undifferenzierten Geschlossenheit seinen Teilen vorauf. Daraus entwickelt sich in zweiter Linie die Vielfalt, um endlich wieder in eine Einheit einzumünden, innerhalb deren jeder Teil sich nun in seinem vollen Wert verwirklicht. Im Verlauf des Prozesses können in der Zwischensituation der Differenzierung, der Entfaltung, Entartungserscheinungen auftreten. Das führt anstelle der Vereinigung am Ende zu Isolation, zu Einsamkeit und gegenseitiger Vernichtung.

Das unglückliche, schuldbeladene Gewissen zeugt voller Heimweh vom "verlorenen Paradies", von seiner ursprünglichen Unberührtheit, von seiner Unbewußtheit - Zartheit -, damals als Gott nach der schönen biblischen Erzählung "in der Kühle des Abends in den Garten kam, um ihn zu betrachten" (Gn 3,8). Aber ist es überhaupt möglich, von einem unser heutiges Bewußtsein überschreitenden Zustand zu sprechen, von jener für unser Geschick doch so entscheidenden Wahl, welche die Geschichte, so wie wir sie heute erleben, geprägt hat? Allein der Mythos der Bibel ist in der Lage, uns unendlich kostbare Hinweise zu geben.
Die landläufige Auffassung des "Mythos" mit ihrer Betonung des "Erdichteten" oder "Phantastischen" ist völlig überholt. Die modernen Forschungen auf dem Gebiet der Völkerkunde und Religionsgeschichte haben ergeben, daß dieser echte Mythos im Denken der Menschen eine fortdauernde Funktion von größter Bedeutung hat. Plato zeigt in "Phaidros", "Phaidon" und im "Gastmahl", daß der Mythos die höhere, oft einzig mögliche Form der Erkenntnis ist, unvergleichlich reicher als der Begriff. Hinter der Schlichtheit von Bildern, die einer Welt unmittelbarer Empfangsfähigkeit entstammen, verbergen sich die in unsere Sprache und in unser diskursives Denken unübertragbaren Urphänomene. Mit Hilfe der Symbole und der Urbilder erreicht der Mythos den hinter der Geschichte liegenden metahistorischen Bereich. Jakob Grimm sagt es eindeutig: Der Mythos umspielt die Anfänge der menschlichen Geschichte. Und Berdjajew, für den der Mythos die Grundkategorie aller Geschichtsphilosophie bedeutet: In der unergründlichen Zeitentiefe werden die geheimen, im Innern des Menschen verborgenen Schichten vorgebildet. Für das Geschehen des Rückerinnerns besitzen die Mythen tiefste Bedeutung und stehen daher im Mittelpunkt moderner psychologischer Forschung. Im Herzen eines jeden Mythos befindet sich ein Urbild, ein Archetyp. Die Bedeutung dieses Urbildes beruht darauf, daß auf dem Grund unserer Seele ruhende Archetypen den Mythenkomplexen Nahrung geben. Jung nennt sie Organe der Seele. Sie wohnen dem Unbewußten der Seele inne und liegen vorprägend vor der Individualität unserer Seele, insofern sie dem kollektiven Unbewußten unserer Seele angehören.
Im Sinn der Gestaltpsychologie geht das Urbild der Mutter allen Formen des Mütterlichen vorauf. Die Züge der Magna Mater sind in allen Epochen die gleichen. Das Urbild Mann-Frau, animus-anima, Adam-Eva ruht im Grunde unseres unversehrten, sich selbst gleichbleibenden Unterbewußtseins, heute wie in den fernsten Zeiten.
Die kosmogonischen Mythen, die alten Mysterien, Geschichten, Legenden und Träume umschreiben alle den Bereich des kollektiven Unbewußten und die verschiedenen Aspekte der Urbilder. Sie bilden in ihrer Gesamtheit einen großen Schatz an hoher Weisheit über die tiefsten Beziehungen zwischen Gott, dem Menschen und dem All. Im Nach-denken des Mythischen und im Bemühen, es dem Wachbewußtsein zuzuführen, findet man Verständnis für das Geheimnis unseres Selbst, so wie es in der Tiefe des göttlichen Schöpferwortes lebt. Man muß Wilhelm Vischer lesen: "Das biblische Denken ist totalitär. Es bezieht das Einzelereignis oder Wesen, sei es Sonne, Wurzel oder Frucht eines Baumes, ins Ganze ein." So erzählen uns die biblischen Geschichten nicht irgendwie seltsame Dinge. . ., sondern Tatsachen, die den Grund unseres ganzen Lebens bilden. Wer den Text der Bibel genau verstanden hat, der bekennt: Ich glaube, daß Gott mich geschaffen hat mit allen Kreaturen. Jeder Gläubige bekennt sich als Kind Adams und als mitverantwortlich an seiner Geschichte. Ist der gewöhnliche geschichtliche Bericht aus den Trauben der Tatsachen gewonnener Wein, so begegnet uns im Mythos der durch Destillation gewonnene Geist des Weins. Er ist in von tiefstem Sinn beladenen Hieroglyphen geschrieben und nicht mit dem gewöhnlichen Alphabet. Unser ist es, diesen Sinn zu finden, den Mythos von Adam und Eva zu entschlüsseln. Indem dieser Mythos von einer Tatsache redet, die sich auf unserer Erde und in unserer Zeit vollzogen habe, erzählt er in Wirklichkeit Ereignisse aus einem anderen Äon, das den Anfängen unserer geschichtlichen Situation weit vorausgeht.

Paul Evdokimov

entnommen aus: Paul Evdokimov: "Die Frau und das Heil der Welt", © 1989 Kaffke-Verlag = Medien-Verlag Bernhard Gregor GmbH, Niederaula, ISBN 3-87381-115-9; Seiten 151-153

 

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